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Hardcore


vonzank - geschrieben am16 September 2008

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HardcoreKann man jemanden lieben und zugleich hassen?
Martha, eine siebzehnjährige Prostituierte aus Athen, glaubt daran.
Diese seltsame Erkenntnis kommt ihr, als sie Nadja kennen lernt; eine neue Kollegin, die so anders und ihr doch wieder so ähnlich ist.

Die beiden Mädchen freunden sich an, ziehen bald in eine gemeinsame Wohnung und beginnen eine besondere Beziehung.
Sie nennen sich Gefährtinnen, lieben sich, haben Sex miteinander, haben aber auch Beziehungen zu zwei männlichen Kollegen.

Die Gegensätze der beiden Mädchen werden schon zu Beginn der Geschichte deutlich.
Während Martha sich mit ihrem Schicksal abfindet, ja sogar anfreundet, sieht Nadja ihren Job nur als Phase, als Zwischenstation auf dem Weg in ein anderes Leben.

Dieser Gegensatz wird von Nacht zu Nacht ihrer „“ immer deutlicher.
Es geht dabei um mehr als lediglich um die Lebenssituationen und Lebensentwürfe.
Martha beginnt ihre Rolle zu lieben!

Dem Zuschauer offenbart sich diese Haltung, als Martha und Nadja von Ihrem Zuhälter zu einer Orgie geschickt werden.
Während Nadja aktiv und berechnend ihren Job tut, lässt sich Martha treiben.
Der Zuschauer sieht, wie sie sich mehreren Männern und Frauen gleichzeitig zur Verfügung stellt und dabei fast wie in Trance alles geschehen lässt.

Die volle Härte dieser Situation offenbart sich im inneren Monolog Marthas, den der Zuschauer während dieser Szenerie hört.
Martha reflektiert dabei ihre Situation und beginnt in ihrem Dasein als Prostituierte den Sinn ihres Lebens zu sehen. Sie identifiziert sich mit ihrer Rolle und fühlt sich skurriler weise zum ersten Mal in ihrem Leben zu hause.

Dieser erschreckende innere Monolog endet abrupt, als Martha zu Nadja sieht und ihr sagt, dass sie hier und nirgendwo anders sein will. Sie spricht aus, dass sie sich als Prostituierte wohl fühlt und in diesem Job ihre Heimat findet.

Nadja ist dagegen sehr aktiv und lässt im Gegensatz zu den anderen Frauen und Männern des „Cafés“ (so nenne sie ihr Bordell) nicht bedingungslos von ihrem Zuhälter ausbeuten.
Sie nimmt Einfluss und plant ihr Leben.

Nadjas Weg in ihr neues Leben beginnt mit einer rücksichtslosen Gewaltorgie, in der ihr mehrere Männer und Frauen zum Opfer fallen. Sie schafft es dabei, sich den Weg in ein buntes, luxuriöses und vermeintlich besseres Leben zu ebnen.
Martha folgt Nadja in ihr neues Leben. Als Marthas Gefährtin sucht sie auch außerhalb der Prostitution ihr Glück in rücksichts- und würdeloser Selbstaufgabe an Nadjas Seite.

Der Kreislauf von Gewalt, Ausbeutung, Mord und Verrat geht für die beiden jungen Frauen jedoch weiter.
Die Spirale aus immer weitergehendem Missbrauch, der nun lediglich vermeintlich kultiviertere Formen annimmt, und der immer stärker werdenden Suche der Mädchen nach Liebe und positiven Gefühlen dreht sich immer weiter, bis sie, auf eine für den Zuschauer sehr verwirrende Weise, am Ende des Films ihr Finale findet.

Der Regisseur Dennis Iliadis hat mit seinem ersten Spielfilm viel Mut bewiesen.
Hardcore ist nicht nur wegen seines unangenehmen und kritischen Themas, sondern auch wegen seiner Schock- Elemente ein sehr gewagter Film für einen jungen Regisseur.

Wie in der Romanvorlage basieren die Schock- Elemente im Wesentlichen auf Antagonismen.

Buch und Film spielen dabei mit Gegensätzen wie der Darstellung von extremer Gewalt und extremer Zärtlichkeit, Zivilisation und Kultur gegenüber Trieb und Unmoral, Leichtigkeit und Depression, starke Liebe und zerstörerischer Hass.

Iliadis macht in Hardcore keine Zugeständnisse an die Political Correctness, das moralische und ästhetische Empfinden des Zuschauers oder den Sehgewohnheiten des Publikums.
Hardcore ist ein Film, der sich nimmt, was er will!

Der Zuschauer wird dabei mit starken Gegensätzen konfrontiert, die sein Interesse wecken und ihn gleichzeitig abstoßen, die sein Gewissen wachrütteln und seine moralischen Empfindungen verletzen, die ihn faszinieren und schocken.

Hardcore ist ein intelligenter, gewagter, spannender und neuartiger Film, der frischen Wind in die ohnehin viel versprechende europäische Kinolandschaft bringt.
Erfreulich ist auch, dass es Hardcore als griechischer Spielfilm in die europäischen Kinos und Videotheken geschafft hat. Bisher ist dies nur einigen wenigen griechischen Kunstfilmen wie denen des Regisseurs Theo Angelopoulos gelungen.

Man kann hoffen, dass neben den klassischen europäischen Kinonationen (England, Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, Polen und der Tschechischen Republik) auch andere europäische Länder immer mehr gute und innovative Filme bieten werden.
Die Zuschauer brauchen neue Filme mit frischen Ideen und Darstellungsformen. Leider scheint sich Hollywood in einem kreativen Loch zu befinden, sodass es dieses Segment kaum bedienen kann oder will.


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