Der Blick des Odysseus (1995)

Der Blick des Odysseus

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Als der amerikanische Filmregisseur „A“ Anfang der 1990er Jahre seine alte Heimat betritt erkennt er sie nicht wieder. A kommt nach Griechenland, um verschollene Filmrollen der Brüder Manakis aufzuspüren. Das besondere an diesem Material aus dem Jahr 1905 ist, dass es sich dabei um den vermutlich ersten griechischen Film überhaupt handelt.

Von Griechenland aus startet A eine Odyssee durch den Balkan und seine Geschichte; einer Geschichte, die eng mit dem Schicksal von As Familie verbunden ist. Bei seiner Reise durch Griechenland, Albanien, Rumänien, Bulgarien und dem ehemaligen Jugoslawien vermischen sich die Eindrücke der Umwelt mit Erinnerungssequenzen aus der Vergangenheit des Regisseurs.

Theo Angelopoulos zeigt in „Der Blick des Odysseus“ die bittere und blutige Geschichte des Balkans in eindrucksvollen und melancholischen Bildern. Dies tut er jedoch leise und unspektakulär. Besonders Eindrucksvoll ist Angelopoulos Symbolik. In Bulgarien erlebt A beispielsweise eine bizarre Szene. Am Ufer der Donau bei Nikopolis zieht minutenlang ein Frachter mit einer gewaltigen Leninstatue flussabwärts an ihm vorbei. Lenin liegt auf dem Schiff wie auf dem Totenbett. Ein Symbol für die Zeit des Umbruchs in diesem ehemals sozialistischen Land.

„Der Blick des Odysseus“ endet im belagerten Sarajevo, wo A die gesuchten Filmrollen endlich entdeckt. In den Ruinen der Stadt findet der Suchende Filme die bittere Armut zeigen. An dieser Stelle schließt sich der Kreis. Der Balkan ist wieder -oder war immer- ein Ort der Armut und des Schreckens. Ob Angelopoulos die Reiseroute As von Athen nach Sarajevo zufällig oder bewusst gewählt hat, ist unklar. Die beiden Städte stehen dennoch für zwei Eckpfeiler der Geschichte auf der Balkanhalbinsel. Zivilisation und Barbarei

Eine weitere Besonderheit an Angelopoulos Film sind die ständigen Verschmelzungen der Zeit und die wechselnden Erzähltempi. In manchen Passagen und Orten erlebt A einen Zeitraffer über mehrere Jahrzehnte in anderen wird ein einziger Eindruck des Figur über Minuten gestreckt.

„Der Blick des Odysseus“ ist für Freunde anspruchsvollen Kinos ein sehenswerter Film. Er bietet einen reichen Fundus an Bildern, Stilmitteln, Symbolen, Figuren und Eindrücken. Besonders zu erwähnen ist die schauspielerische Leistung Harvey Keitels. Auch beim Filmfestival in Cannes kam der Film gut an und erhielt den Großen Preis der Jury. Als leichte Abendunterhaltung ist „Der Blick des Odysseus“ allerdings ungeeignet.

[Rating:8/10]

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About consul

Nach dem Abitur im Jahre 2003 widmete sich consul dem Studium der Fächer Germanistik und Geschichte sowie Philosophie an der Universität Paderborn. Von Kindheit an vom Medium Film fasziniert, entwickelte sich im Verlaufe des Studiums eine Passion für Filme von Stanley Kubrick und David Lynch. consul ist Gründungsmitglied von insidemovie und arbeitet seitdem an Interpretationen und Charakterisierungen zu verschiedenen Filmen. Abseits vom Mainstream interessiert sich consul für ältere Filme sowie Nischenproduktionen.