Eine Wahre Geschichte – The Straight Story (1999)

Marco 5. April 2010 3



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Eine wahre Geschichte - The Straight Story

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David Lynch ist ein Meister des surrealen Kinos. „Twin Peaks“ und „Lost Highway“ sind die anschaulichsten Beweise für das Können und die atemberaubende Fantasie, die dieser Regisseur an den Tag legen kann. Aber gerade diese Eigenschaften brachten Lynch bei den Kritikern keine guten Vorzeichen ein, als er „The Straight Story“ in Angriff nahm. Selbst seine Fans waren sich nicht sicher, ob dieses Projekt gelingen würde.

„The Straight Story“ ist die Geschichte von Alvin Straight (Richard Farnsworth), einem Mann, der im Leben so ziemlich jede Hürde nehmen und meistern musste. Die Erziehung von mehreren Kindern sowie Krieg, Alkohol und Tabak haben ihre Spuren an dem alten Kauz hinterlassen. Als er die Nachricht vom Schlaganfall seines Bruders Lyle (Harry Dean Stanton) bekommt, beschließt er, sich mit seinem Rasenmäher auf den weiten Weg von Iowa nach Wisconsin zu machen, um sich mit seinem Bruder auszusöhnen.

Auf seiner Reise bekommt Alvin die Hilfe von diversen Leuten angeboten, verzichtet jedoch immer wieder, weil er die Dinge auf seine eigene Art und Weise zu Ende bringen möchte – im Notfall auch mit einem Rasenmäher. Lynch lässt diesmal keine Bösewichte erwachen. Alle Personen, denen Alvin auf seinem Weg begegnet, sind nett und zuvorkommend. Meistens hilft er, anstatt selbst Hilfe in Anspruch zu nehmen. So öffnet er einem jungen schwangeren Mädchen die Augen und führt sie wieder auf eine gemeinsame Straße mit ihrer Familie, zeigt zwei Brüdern den Sinn der Familie auf und tauscht mit einem alten Kriegs-Veteranen „Lebensbeichten“ aus. Es existieren keine äußeren Bösewichte, kein Adam Kesher, kein mysteriöser Cowboy – nur innere Dämonen. So stellt sich Alvin auf seiner Reise den inneren Konflikten. Er scheint auf dieser Reise sein Leben erneut zu durchleben und neu ordnen zu wollen – im Bewusstsein, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt, denn das Alter hat unverzeihlich seine Narben an ihm hinterlassen.

„The Straight Story“ ist ein Film über Freundschaft, Liebe, Vertrauen und Entscheidungen des Lebens. „Straight“ deutet hierbei nicht nur auf den Nachnamen des Protagonisten hin, die Vokabel ist vielmehr ein Fingerzeig dessen, was passiert: Ein alter Mann, der geradlinig (engl.: straight) sein Ziel verfolgt und sich selbst nochmal beweisen will, dass er noch nicht zum alten Eisen gehört.

Die Landschaftsaufnahmen und unendlichen Weiten der Straßen untermauern die Reise von Alvin Straight auf eine ganz subtile, latente und zugleich doch starke Weise. Aber das ist man von David Lynch gewohnt. Bilder, die für sich sprechen und Gefühle auslösen.

Und so führt alles gerade auf das Ende zu, auf die finale Begegnung zwischen den beiden Brüdern. Eine Szene, die – ohne zu viel vorwegzunehmen – sehr emotional ist und ihre Wirkung nicht verfehlt. Während des Abspanns bleibt die Frage nach Möglichkeiten der Rezeption, der Wahrnehmung. Hier ist der Film wieder typisch Lynch: Nicht viel nachdenken, den Versuch einer Interpretation unterlassen – einfach die Bilder ins Innere kehren lassen und für sich selbst verarbeiten.

Entgegen aller Erwartungen hat Lynch „The Straight Story“ zu einem sehr unterhaltsamen Film reifen lassen, der das Publikum mitzieht und innerlich nicht zur Ruhe kommen lässt. Doch diesmal ist es anders: Die innere Unruhe besteht nicht darin, das frisch Gesehene zu verarbeiten und zu ordnen, sondern darin, was man für sich und sein eigenes Leben mitnehmen kann. Die Botschaft lautet unweigerlich: Genieße das Leben und schaue nicht zurück, denn die Vergangenheit holt dich irgendwann sowieso ein. Eine Botschaft, die nie explizit ausgesprochen wird, jedoch immer im Hintergrund mitschwingt.

„The Straight Story“ ist ein großartiger Film, der wirklich nur zu empfehlen ist!

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