Uwe Boll und Auschwitz. Ein Reizthema. Schon nach dem Release des ersten Trailers spaltete sich die Filmgemeinschaft in zwei Lager.
Filmkritik sollte jedoch keinen Namen Uwe Boll kennen und somit hat auch jeder Film die gleiche Chance verdient, vernünftig rezensiert zu werden.
Ich habe dem Film diese Chance gegeben und wurde bitter enttäuscht. Machten Filme wie Rampage oder Darfur noch ein wenig Hoffnung, zeigt Boll mit Auschwitz, dass er komplett in alte Handlungsmuster verfallen ist. Die filmische Darbietung ist jedoch nicht das schlimmste Element an diesem Film. Es ist vielmehr die Art der Präsentation von Fakten und Geschichtsbildern. Dazu aber später mehr.
Der Film beginnt mit einer Einleitung durch Regisseur Uwe Boll. In einem kurzen Statement legt er dar, dass die Aufbereitung von Auschwitz eine Herzensangelegenheit von ihm war und dass er etwas gegen das Vergessen tun wollte. Und so bemüht Boll den alten Slogan vom Lernen aus der Geschichte. Boll skizziert, dass auch 70 Jahre nach dem Holocaust politische Morde und Völkermord in bestimmten Gebieten der Welt an der Tagesordnung sind (Ruanda, Kongo, Darfur).
Ziel dieses Films sei es, die Taten der Nationalsozialisten in Auschwitz so zu zeigen, wie sie wirklich waren. Um die Notwendigkeit des Films zu unterstreichen, besuchte Boll, wie er selbst sagt, deutsche Schulen, um mit den Schülern über Auschwitz zu sprechen. Und an dieser Stelle beginnt das Dilemma des Films. Die augenscheinlich 15-16jährigen Schüler scheinen nicht gerade der Bildungselite anzugehören und können sich kaum artikulieren. Und so ist es auch kein Wunder, dass die geschichtsverzerrendsten Antworten dabei herumkommen: Der eine behauptet, Hitler sei Tscheche gewesen, der andere verlegt den Holocaust mal eben in das 16. Jahrhundert. Ein Dritter Schüler beziffert die Zahl der vergasten Juden auf 1000. Auf die Frage Bolls, was die Schüler über den Holocaust denken, erhält er mehrfach die Antwort: “Keine Ahnung.” Eine Quellenangabe wie Schulform oder ähnliches fehlt vollkommen. Höhere Schulformen finden in dieser Umfrage überhaupt keine Berücksichtigung, was die Geschichtsaufbereitung an deutschen Schulen vollkommen falsch positioniert. Boll stellt lediglich die Kriterien dar, die ihm zur Rechtfertigung seines Films dienen. Und diese Vorgehensweise widerspricht jeder Form einer aufgeklärten Arbeitsweise. Somit istd as eingetreten, was man befürchten musste: Ein unsachgemäßer Umgang mit einem Thema, welches thematisch nicht brisanter sein könnte.
Aus eigener Erfahrung als Geschichtsstudent mit mehreren Praktika an Gymnasien und Gesamtschulen kann ich mit ruhigem Gewissen behaupten, dass die Schüler fast ausnahmslos wissen, welche Verbrechen die Nationalsozialisten an den Juden verübt haben. Die von Boll inszenierte Umfrage ist somit eine Ohrfeige für die deutsche Geschichtsaufbereitung. Man kann davon ausgehen, dass im Ausland das Vorurteil entstehen wird, die Deutschen hätten aus der Vergangenheit nichts gelernt. Die von Uwe Boll bemühten Interviewsequenzen beschädigen in hohem Maße die bisher geleistete Aufbereitung unserer Vergangenheit.
Hinzu kommen grobe handwerkliche Fehler. So filmt Boll beim Interview eine Schülerin, die im Trikot der deutschen Nationalmannschaft auf ihrem Stuhl sitzt und dabei auf den Wangen in Nationalfarben geschminkt ist. Die Dreharbeiten zu Auschwitz werden zu Zeiten der WM in Südafrika gewesen sein. Dennoch sollte man sich darüber Gedanken machen, welches Bild solche Inszenierungen im Ausland hervorrufen könnten.
Festzuhalten bleibt, dass Boll die beim Publikum angestrebte Katharsis auf das Übelste verfehlt. Man ist nach dem Film geschockt. Nicht wegen des Holocausts, sondern wegen der verabscheuungswürdigen Art und Weise, wie ein solcher Film produziert wurde.
Die KZ-Szenen, welche vorher für viel Aufsehen sorgten, sind nicht schlimmer, als die aus anderen Filmen. Die Grauzone mit Harvey Keitel war weitaus härtere Kost. Und Auch Schindlers Liste war auf seine Art und Weise härter, da authentischer. Man erinnere sich nur an die Szenen mit Amon Goeth.
Zusammenfassend kann man sagen, dass das von Uwe Boll gedrehte Auschwitz ein totaler Reinfall ist. Ich mag Boll an dieser Stelle gar nicht absprechen, dass er sein Bestes gegeben hat. Doch anscheinend kann er es nicht besser. Wegen des unsachgemäßen Umgangs mit dem Thema nehmen wir den Film aus der Wertung und versehen ihn mit 0/10 Punkten.













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