Als „Total Recall“ 1990 in die Kinos kam begann eine Debatte, die bis heute nicht abgerissen ist: Sind die Erlebnisse von Douglas Quaid (Arnold Schwarzenegger) real oder spielt sich alles nur in seinem Kopf ab?
Für beide Standpunkte gibt es Argumente und Thesen. Wir wollen nun versuchen etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Wer den Film bisher noch nicht gesehen hat und ihn noch sehen möchte, sollte also ab hier besser nicht mehr weiterlesen.
These 1: Alles ist real
Als Quaid bei REKALL Inc. den Schizoiden Anfall bekommt, befiehlt der Oberaufseher, dass das Implantat entfernt werden soll. Die Arbeiterin entgegnet allerdings darauf, dass das Implantat noch gar nicht implantiert worden sei. Somit ist es also zunächst scheinbar unmöglich, dass REKALL Inc. Douglas Quaid überhaupt in einen traumähnlichen Schlaf versetzen kann. Es sei denn, das Implantat ist bereits gesetzt worden und die Nichtimplantierung ist bereits Teil des Traumes bzw. der Täuschung.
Viele Leute sind auch der Meinung, dass der Mitarbeiter von REKALL Inc., der nach dem Kampf mit Lori (Sharon Stone) auftaucht, ein Beweis für die Realität der Geschehnisse ist. Der Mitarbeiter sagt Quaid, dass er dringend aus der Simulation zurückkehren müsse, da es einen Fehler im Programm gäbe und Quaid sich seine eigene Geschichte weiterspinne. Quaid entgegnet darauf, dass er ihn ja dann ruhig erschiessen könne, wenn ja eh alles nur ein Teil des Programms sei. Daraufhin läuft dem Mitarbeiter von REKALL eine Scheißperle über die Wange – Quaid hält ihn für einen Lügner und erschiesst ihn. Natürlich kann diese Szene als Beweis dafür angesehen werden, dass Quaid in Wirklichkeit ein ganz normaler Bauarbeiter ist. Aber auch diese These könnte man dadurch widerlegen, dass es ein Implantat gibt und der Arbeiter zu Quaids „Verschwörungstheorie“ gehört.
These 2: Die Geschichte ist reine Fiktion
Sämtliche Geschehnisse, die nach der Szene bei REKALL Inc. stattfinden, sind von Quaid selbst gemachte Vorgaben: Er ist ein Top-Agent und Melina entspricht genau dem Aussehen, welches er für seine Partnerin vorgegeben hat (man kann Melinas Gesicht kurz auf dem Monitor bei REKALL Inc. sehen). Hinzu kommt, dass in einem der Büros Bilder der Alien Artefakte zu sehen sind, die später ja in Quaids Traum auftauchen; er muss sie sich also für seinen Traum ausgesucht haben.
Ein weiteres Indiz für diese These ist die Diskette, die die Arbeiterin Ernie (David Knell) zuwirft. Allerdings kommt man an dieser Stelle nur mit einem kleinen Trick weiter. In der deutschen Fassung des Films spielt sich der Dialog wie folgt ab:
Arbeiterin wirft Diskette zu Ernie, er sieht sich die Diskette kurz an
Ernie: „Das ist ein Neuer!“
Dieses Zitat ist zunächst nichtssagend. Schaut man sich im Vergleich dazu die englische Fassung des Films an, wird man schnell einen großen Unterschied feststellen:
Arbeiterin wirft Diskette zu Ernie
Ernie: „Blue skies on Mars? That‘s a new one!“
Durch die an dieser Stelle nachlässig vorgenommene Lokalisierung verpasst man in der deutschen Fassung diesen nicht zu verachtenden Hinweis. Der blaue Himmel, der am Ende des Films in ein weißes Nichts übergeht und im Abspann endet, ist scheinbar auch ein Teil des von REKALL eingesetzten Implantats.
Fazit
Anhand der soeben aufgeführten Indizien sind zunächst einmal beide Thesen möglich und für beide gibt es gute Gründe. Bei genauerem Hinsehen scheinen die Argumente für die zweite These, also für die Traumvariante, kräftiger und einleuchtender. Woher sollte REKALL sonst wissen, wie die Figur der Melina auszusehen hat und was passiert? Douglas Quaid wollte die perfekte Täuschung und anscheinend hat er sie auch bekommen.
Doch es ist Vorsicht geboten, denn sämtliche Argumente, die mit der These der Realität einhergehen, können mit dem Einbau eines Implantats erklärt und somit entkräftet werden. Dabei ist es, wie bereits oben angeführt, nciht zu 100% sicher, ob das Implantat überhaupt gesetzt wurde.










