Mulholland Drive (2001)

verfasst von | am 05.04.2010 um 14:20 Uhr | abgelegt in: Interpretationen
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Ein Film wie „Mulholland Drive“ lässt sich schwer filetieren. Dieser Interpretationsansatz setzt voraus, dass der Leser den Film kennt. Eine umfassende Beschreibung, die den Inhalt und Verlauf komplett spiegeln, würde unnötig viel Platz in Anspruch nehmen und wäre zudem überflüssig. Die Interpretation ist so aufgebaut, dass es Interpretationsthesen gibt, die dann entschlüsselt werden. Sollten Fragen auftreten, bin ich jederzeit dankbar für Feedback. Trotz der – zumindest für mich – schlüssigen Entzerrung des Konstrukts, gibt es immer noch einzelne Szenen, die nicht so recht ins Bild passen wollen.

Der Großteil des Films ist ein Traum von Diane. Zu Beginn sehen wir, noch vor den Credits, wie sich jemand in der Ego-Perspektive in ein Bett sinken lässt. Der Bettbezug ist der gleiche wie in dem kleinen Apartment, wo Diane (Naomi Watts) kurz vor Ende des Films wieder erwacht. Der Traum dient der Verzerrung der Ereignisse, die wirklich passiert sind. Diane träumt sich in eine andere, für sie bessere Welt. Die ihr bekannten Personen tauchen stets mit vertauschten Rollenbildern wieder auf und haben andere Funktionen. In ihrem Traum wird sie zu Betty (ebenfalls Naomi Watts), einer aufstrebenden Jungschauspielerin, ihre Freundin Camilla (Laura Elena Harring) wird zu Rita.

Doch was passiert wirklich? Diane Selwyn kommt nach Los Angeles, um die Chance auf eine Filmkarrieree zu bekommen. Sie möchte ein großer Filmstar, vielmehr eine große Schauspielerin werden. Bei dem Casting zur „Sylvia North Story“ lernt Diane Camilla kennen. Der Regisseur Bob Brooker (Wayne Grace) hält nicht viel von Diane und vergibt die Rolle an Camilla. Die beiden werden Freundinnen und Camilla verschafft Diane hier und da mal eine kleine Rolle in ihren Filmen. Diesen Ansatz liefert uns Diane selbst. Auf der Party erzählt sie Coco (Ann Miller), der Mutter von Adam Kesher (Justin Theroux), ihre Geschichte und wie sie nach Los Angeles kam. In der Realität hat Camilla ganz klar das Steuer in der Hand. Sie verschafft Diane Rollen und hält sie unter ihrem Schatten. Diane erzählt auch, dass sie einen Jitterbug-Wettbewerb gewonnen hat, der ihr diesen Schritt überhaupt erst ermöglichte. Man sieht die Szenerie des Turnieres direkt zu Beginn des Films: Überall tanzende Pärchen und eine strahlende Diane, die kurz eingeblendet wird (0:01:26).

Wie in der Anleitung angedeutet, ist die Erzählung zwischen dem Hinlegen und dem Erwachen von Diane fiktiv. In ihrem Traum entzückt Betty alle Leute, mit denen sie in Kontakt gerät. Beim Vorsprechen für einen Film fasziniert sie die Casting-Agenten und den Regisseur. Die Regier zur „Sylvia North Story“ führt nicht Bob Brooker, sondern Adam Kesher. Für Diane ist diese Konstellation der Grund dafür, dass Camilla die Hauptrolle bekommt und nicht sie selbst. Mehr noch: Diane wittert hinter den Kulissen eine geheime Mafia, die verhindert, dass sie die Rolle bekommt. Sie denkt, dass Kesher so sehr unter Druck gesetzt wird, dass er ihr die Rolle aus Angst nicht gibt. Betty konstruiert sich ein Netz aus Verschwörungen, um ihr „Versagen“ in der Traumfabrik zu rechtfertigen. Im Traum übernimmt Betty die Rolle der führenden Instanz. Rita ist ohne Betty aufgeschmissen und braucht ihre Hilfe, um ihr Leben neu zu ordnen. Das deutet sich schon zu Beginn des Films an: Nach dem Unfall „flüchtet“ sich Rita den Hang herab in die Stadt zu Betty. In Wirklichkeit wurde Diane von Camilla den Hang hinaufgeführt.

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Über den Autor

Marco

Gründer von insidemovie, Student der Germanistik und Filmfreak. Marco hat sehr früh den Weg zum Film gefunden. Schon als kleines Kind faszinierten ihn die verschiedenen Arten des Films und deren Machwerk. Nach dem Abitur im Jahre 2003 besucht er die Universität Paderborn mit den Schwerpunkten germanistische Literaturwissenschaft und Geschichte.

Marco hat bereits 136 Beiträge für insidemovie.de verfasst.

Kommentare
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  • http://chaosmacherin.de Chaosmacherin

    Puh! Danke hier für. Ich habe den Film grade gesehen und hätte jetzt sicher nicht schlafen können. Deine Interpretation klärt zwar nicht alles, aber sie gibt mir eine grundlage zum weiter spinnen.

    • http://www.insidemovie.de Marco

      Hallo Chaosmacherin,

      eine überarbeitete Version des Artikels ist so gut wie fertig und wird in den kommenden Tagen veröffentlicht.

      Darf man fragen was dir genau fehlt? Ich würde dann zusehen, ob sich die Antworten auf deine Fragen mit einarbeiten lassen.

      Grüße

  • Felix Hofmann

    Hallo Marco,

    vielen Dank für deine Interpretation. Vielleicht ist es noch interessant zu wissen, dass Mulholland Drive sehr viele parallelen mit einer Knight Rider Folge hat. Die Folge heißt Zwischen zwei Frauen bzw. Forget me not (Staffel 1, Episode 13). In der Geschichte geht es um eine blonde und eine brünette Frau. Die blonde Frau wird Zeuge eines Gesprächs zwischen Gangstern, die einen Auftragskiller engagieren wollen. Die Gangster entdecken die blonde Frau und wollen sie töten lassen. Bei einer Verfolgungsjagd mit dem Knight Rider und den Gangstern stürzt die blonde Frau auf einem Highway in eine Schlucht und hat fortan ihr Gedächtnis verloren. Die brünette Frau nimmt die blonde bei sich auf und versucht ihr zu helfen das Gedächtnis wieder zu erlangen. In der Handtasche der blonden Frau schauen sie nach um etwas über die Vergangenheit der Blonden herauszufinden. Sie finden auch einen Schlüssel, welchen die Blonde nicht zuordnen kann. Am Ende erfährt die blonde Frau, dass sie Schauspielerin ist, indem Sie sich selbst im Fernseher sieht. Wie auch Mulholland Drive spielt die Folge in L.A. Insgesamt sind das schon sehr viele gleichartige Motive.

    • http://www.insidemovie.de Marco

      Hallo Felix!

      Erst einmal vielen Dank für deinen Beitrag. Es ist wahr, die Motive sind sehr ähnlich und es interessiert mich nun wirklich, ob David Lynch evtl. von diesem Stoff beeinflusst wurde. Ob man allerdings im Internet Informationen zu generieren kann, bleibt abzuwarten.

      Mittlerweile habe ich meine überarbeitete Version dieses Beitrages fast fertig, wer weiß, vielleicht baue ich diese Parallele mit ein. Hängt von den Ergebnissen meiner Recherche ab :)

      Ich möchte dir auf jeden Fall für deinen Input danken, davon lebt eine Seite wie diese.

      Grüße

  • Mr.X

    Soo, nun aber folgendes vorweg:

    David Lynch sollte sich schämen.
    Ich wollte doch eigentlich nur einen kleinen Film vor dem einschlafen angucken. Da kam mir die Behauptung der Film Mulholland Drive sei “verwirrend” sehr entgegen. Eins vorweg: Bis dato hat es noch kein Film geschafft mich zu verwirren… Verblüffen: Ja (Bsp. Vanilla Sky), Verwirren: neeee … Also war meine Einstellung zu Mulholland Drive auch: Guck ihn dir an, denk dann nochmal so`n paar minuten nach und dann kannst du beruhigt einschlafen.

    Jaja ich weis…Selbstüberschätzung! Gelinde ausgedrückt: “Der Film hat mich verwirrt”

    Aktion 1 nach dem Film: Ne halbe Stunde Nachdenken – Fazit: Kein befriedigendes Ergebniss.

    Aktion 2: Erstmal Wiki über den Film im Allgemeinen befragen.

    Aktion 3: Selber nochmals versuchen alles in einen logischen zusammenhang zu bekommen (Ansatz verschiedener Realitäten (Traum-Vergangenheit-Realität))

    Aktion 4: Verzweifeln und Google nach logischen Erklärungen druchforsten damit ich dann doch irgendwann mal ins Bett komme.
    Diese Intepretation hier kam mir da doch sehr gelegen. Einiges habe ich ebenso gedeutet, vieles dessen war mir schon wieder entfallen.

    Ich glaube aber im Endeffekt bin ich jetzt zufriedenstellend beruhigt…fürs erste.
    Vielleicht schau ich mir jetzt vor`m Schlafengehen noch`n kleinen harmlosen Film an … Memento hab ich noch nicht gesehen…ja, klingt interessant… also Gute Nacht

    • http://www.insidemovie.de Marco

      Hallo Mr. X,

      erst einmal vielen Dank für deinen Kommentar.

      1.) Wenn du in Ruhe einschlafen willst, ist Memento bestimmt nicht die geeignete Wahl. Er ist zwar ein Vielfaches einfacher zu erfassen als Mulholland Drive, stellt aber am Ende eine Frage in den Raum, über die ich sehr lange nachdenken mussts: Ist John G. nun der Mörder? Oder sucht der Protagonist wirklich immer wieder einen neuen John G., weil er den Mord an einem vorherigen bereits vergessen hat?

      2.) In den kommenden Wochen wird es hier eine ausgebaute Interpretation zu Mulholland Drive geben, vielelicht schaust du ja dann noch einmal vorbei?

      Grüße

  • Mr.X

    Ich hab mir gestern Memento noch angeschaut.
    Persönlich finde ich den ehrlichgesagt doch recht erbaulich.
    Ich persönlich denke Das John G. (Teddy) wirklich nicht der Mörder ist da er zu viele Erklärungen parat hat, z.B. das Polaroid auf dem lenny sich freut das er den Wahren mörder seiner Frau erwischt hat. Und das Leonard vielleicht immer auf der Suche bleiben möchte zeigt ja schon das er diese Erklärungen vernichtet und sich die Wagennummer von Teddy notiert. Würde auch erklären warum er sich nicht Tattoowiert hat nachdem er den Wahren killer erledigt hatte. Das sowohl Teddy als auch Natalie Leonard für ihre Zwecke ausnutzen ist allerdings sowieso klar.

    Aber zu Mulholland Drive, ich denke einmal das ich mir den film in den nächsten Tagen noch mehrmals anschauen muss/werde. Alleine schon um David Lynchs “Hinweise zur Intepretation” zu beobachten. Am besten Film mit gezücktem Stift und Schreibblock anschauen ;-)

  • René

    Hallo Marco,
    danke für deine Interpretation
    aber was ist mit den Namensschildern
    und dem Schlüssel
    Welche Rolle spielt der Mann hinter dem Kaffee
    Was ist mit dem Theater, welches die beiden besuchen
    Ich denke deine Interpretation hat die grundlegende Bedeutung wiedergegeben.
    Jedoch wäre es eventuell noch interessant mehr über die verwendete Symbolik zu erfahren

    • http://www.insidemovie.de Marco

      Hallo René,

      in den kommenden Tagen wird diese Interpretation hier stark erweitert werden. Dann geht eine stark verbesserte Version des Artikels online, der mich einiges an Zeit und Nerven gekostet hat (ich rechne mit Sonntag).

      Aber zu deinen Fragen: Die Namensschilder sind meiner Meinung nach dazu da, die Illusion zu brechen. Hier wird klar, dass Rollen vertauscht wurden und es ist für den Zuschauer auch nicht mehr nachvollziehbar, wer nun wer ist. Das muss aber auch so sein, weil dieses Verwirrspiel mit den Namen das Chaos in Dianes Kopf spiegelt. Sie vertauscht Rollen – ein Vorgang, der gerade bei Traumapatienten sehr häufig auftritt.

      Den Schlüssel sehe ich als Indikator dafür an, dass Diane erkennt, dass sie sich die Dinge selbst zurechtgelegt hat wie sie ihr am besten ins Konzept passen. Die Symbolik des Schlüssels sehe ich als Symbol der Entschlüsselung. Diesen Vorgang muss man auf der Metaebene betrachten. Es ist ein Stilmittel von David Lynch, um den Bruch von Traum und Realität darzustellen.

      Der Mann hinter dem Kaffee ist in der Tat nicht leicht zu deuten. Ich gehe davon aus, dass er zeigen soll, dass etwas Schlimmes passieren wird. Und er ist Teil von Dianes Verschwörungstheorie, dass dunkle Mächte, in welcher Form auch immer, ihren Aufstieg in Hollywood vereiteln wollen. So spinnt sie sich nicht nur den Mann hinter dem Kaffee zusammen, sondern auch den alten Mann im Rollstuhl, der einer großen Organisation angehört, die ihren Aufstieg verhindern will (Telefonkette).

      Die Theater-Szene ist der endgültige Zusammenbruch Dianes. Hier wird ihr klar, dass alles eine Illusion ist. Sie ist nach Hollywood gekommen, um ein Star zu werden. Das klappt nicht, also fantasiert sie sich eien für sie erträglichere Welt zusammen. Ein Konstrukt, welches schon deshalb zum Scheitern verurteilt ist, weil Camilla es zuerst latent und später immer wieder aufbricht. Der Mann im Theater sagt immer wieder “No hay banda!”, zu deutsch: “Es gibt keine Band!” Es gibt keine Band, obwohl Musik im Theater ertönt. Und so ist auch der Gesang der Sängerin nur simuliert, ertönt ihr Gesang doch weiter, obwohl die Sängerin selbst längst auf der Bühne in sich zusammengebrochen ist.

      Wie du selbst gesagt hast, ist der Film voller Symbolik und Metasprache. Versteh mich aber nicht falsch. Ich sage hier nicht, dass die von mir aufgeführten Punkte absolut der Wahrheit entsprechen. Es sind Thesen, die ich mir durch viel Recherche und Anlesen entwickelt habe und die sich, zumindest meiner bescheidenen Meinung nach, am Film auch halten können.

      Über weitere Fragen, Kritik oder Anregungen freue ich mich sehr!

      Grüße

  • René

    grade den film noch einmal angeschaut, was du deutest geht auch alles in die Richtung die meine Interpretation ebenfalls eingeschlagen hat. Jedoch denke ich dass der Mann hinter dem Kaffee noch eine tieftragendere Rolle spielt werd mirs heut abend mit nem Freund noch einmal ansehn und besonderst auf diese Punkte achten

    • http://http.//www.insidemovie.de Marco

      Hallo René,

      super! Ich würde mich freuen, wenn du mich dann noch einmal über deine Ergebnisse informieren würdest :)

      Viel Spaß beim Rätseln!

      • René

        Hallo Marco,

        mir hat es gestern leider nicht mehr gereicht :(
        werde ihn aber in nächster Zeit auf jeden Fall noch einmal anschauen und mich dann hier melden :D

        Gruß René

        • http://www.insidemovie.de Marco

          Hey René,

          ist doch egal – schau ihn, wenn du Lust drauf hast! Und wenn du dann noch magst, bist du hier gerne willkommen! :)

  • Georg Mackinger

    ich mag solch verwirrende filme doch wär ich froh wenn es für den cowboy und den hässlichen hinterm kaffee und den schlüssel eine reelle entschlüsselu8ng gibt

    • http://www.insidemovie.de Marco

      Hallo Georg,

      vielen Dank für Deinen Kommentar!

      Zum Cowboy: Ich glaube, dass er eine Fantasiegestalt Dianes ist. Der Cowboy soll als Bedorhung Adam Keshers dienen und ihn dazu bewegen, die Rolle an “die Richtige” zu vergeben. Diane geht davon aus, dass alles ein Komplott ist. Sie denkt, dass dunkle Mächte am Werk sind, die ihre Einstellung als Schauspielerin verhindern.

      Der hässliche Kerl: Hier muss ich mich selbst einmal zitieren

      “Der Mann hinter dem Kaffee ist in der Tat nicht leicht zu deuten. Ich gehe davon aus, dass er zeigen soll, dass etwas Schlimmes passieren wird. Und er ist Teil von Dianes Verschwörungstheorie, dass dunkle Mächte, in welcher Form auch immer, ihren Aufstieg in Hollywood vereiteln wollen. So spinnt sie sich nicht nur den Mann hinter dem Kaffee zusammen, sondern auch den alten Mann im Rollstuhl, der einer großen Organisation angehört, die ihren Aufstieg verhindern will (Telefonkette).”

      Andere Vermutungen meinerseits sind: 

      1.) Die Figur verkörpert Dianes Ängste
      2.) …sie verkörpert das oft referenzierte “ES” nach Freud
      3.) …verkörpert eine Art Todesengel.

      Wie gesagt: Alles nur Vermutungen! Aber davon leben solche Filme halt :) Welche Ideen bzw. Ansätze hattest du denn?

  • Georg Mackinger

    coole seite

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