Ein Film wie „Mulholland Drive“ lässt sich schwer filetieren. Dieser Interpretationsansatz setzt voraus, dass der Leser den Film kennt. Eine umfassende Beschreibung, die den Inhalt und Verlauf komplett spiegeln, würde unnötig viel Platz in Anspruch nehmen und wäre zudem überflüssig. Die Interpretation ist so aufgebaut, dass es Interpretationsthesen gibt, die dann entschlüsselt werden. Sollten Fragen auftreten, bin ich jederzeit dankbar für Feedback. Trotz der – zumindest für mich – schlüssigen Entzerrung des Konstrukts, gibt es immer noch einzelne Szenen, die nicht so recht ins Bild passen wollen.
Der Großteil des Films ist ein Traum von Diane. Zu Beginn sehen wir, noch vor den Credits, wie sich jemand in der Ego-Perspektive in ein Bett sinken lässt. Der Bettbezug ist der gleiche wie in dem kleinen Apartment, wo Diane (Naomi Watts) kurz vor Ende des Films wieder erwacht. Der Traum dient der Verzerrung der Ereignisse, die wirklich passiert sind. Diane träumt sich in eine andere, für sie bessere Welt. Die ihr bekannten Personen tauchen stets mit vertauschten Rollenbildern wieder auf und haben andere Funktionen. In ihrem Traum wird sie zu Betty (ebenfalls Naomi Watts), einer aufstrebenden Jungschauspielerin, ihre Freundin Camilla (Laura Elena Harring) wird zu Rita.
Doch was passiert wirklich? Diane Selwyn kommt nach Los Angeles, um die Chance auf eine Filmkarrieree zu bekommen. Sie möchte ein großer Filmstar, vielmehr eine große Schauspielerin werden. Bei dem Casting zur „Sylvia North Story“ lernt Diane Camilla kennen. Der Regisseur Bob Brooker (Wayne Grace) hält nicht viel von Diane und vergibt die Rolle an Camilla. Die beiden werden Freundinnen und Camilla verschafft Diane hier und da mal eine kleine Rolle in ihren Filmen. Diesen Ansatz liefert uns Diane selbst. Auf der Party erzählt sie Coco (Ann Miller), der Mutter von Adam Kesher (Justin Theroux), ihre Geschichte und wie sie nach Los Angeles kam. In der Realität hat Camilla ganz klar das Steuer in der Hand. Sie verschafft Diane Rollen und hält sie unter ihrem Schatten. Diane erzählt auch, dass sie einen Jitterbug-Wettbewerb gewonnen hat, der ihr diesen Schritt überhaupt erst ermöglichte. Man sieht die Szenerie des Turnieres direkt zu Beginn des Films: Überall tanzende Pärchen und eine strahlende Diane, die kurz eingeblendet wird (0:01:26).
Wie in der Anleitung angedeutet, ist die Erzählung zwischen dem Hinlegen und dem Erwachen von Diane fiktiv. In ihrem Traum entzückt Betty alle Leute, mit denen sie in Kontakt gerät. Beim Vorsprechen für einen Film fasziniert sie die Casting-Agenten und den Regisseur. Die Regier zur „Sylvia North Story“ führt nicht Bob Brooker, sondern Adam Kesher. Für Diane ist diese Konstellation der Grund dafür, dass Camilla die Hauptrolle bekommt und nicht sie selbst. Mehr noch: Diane wittert hinter den Kulissen eine geheime Mafia, die verhindert, dass sie die Rolle bekommt. Sie denkt, dass Kesher so sehr unter Druck gesetzt wird, dass er ihr die Rolle aus Angst nicht gibt. Betty konstruiert sich ein Netz aus Verschwörungen, um ihr „Versagen“ in der Traumfabrik zu rechtfertigen. Im Traum übernimmt Betty die Rolle der führenden Instanz. Rita ist ohne Betty aufgeschmissen und braucht ihre Hilfe, um ihr Leben neu zu ordnen. Das deutet sich schon zu Beginn des Films an: Nach dem Unfall „flüchtet“ sich Rita den Hang herab in die Stadt zu Betty. In Wirklichkeit wurde Diane von Camilla den Hang hinaufgeführt.











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