Eyes Wide Shut: Aufbau und Dramaturgie

verfasst von | am 05.04.2010 um 20:07 Uhr | abgelegt in: Interpretationen
Schlagwörter: , , , ,

Dieser Artikel soll eine verhältnismäßig kurze und übersichtliche Interpretation des letzten Kubrickfilms „Eyes Wide Shut“ sein. Daher bietet sie weder eine Inhaltsangabe des Films, noch eine umfangreiche Behandlung aller Aspekte.

Diese Interpretation befasst sich im Wesentlichen mit dem dramaturgischen Aufbau des Films. Stilmittel, Personenbeziehungen und die Frage was an der Geschichte Traum oder Realität sein könnte werden in weiteren, bald folgenden Interpretationen behandelt.

Eyes Wide Shut ist eine Verfilmung von Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“ und folgt in Ihrem Aufbau der Dramaturgie der Buchvorlage.

Dem Aufbau eines Dramas folgend, beginnt der Film mit einem Einstieg in die Dramenhandlung (Exposition). Es werden die relevanten Personen (Dr. Harford/ Bill, Alice, Nick Nightingale, Zigler), ihre Eigenschaften und ihre Beziehungen zueinander dargestellt.

Es folgt die Darstellung der Komplikation. Alice beichtet Bill ihre sexuellen Phantasien und ihre Träume. Im Anschluss an diese Szene macht Bill einen Krankenbesuch, bei dem die Tochter seines Patienten ihm ihre Liebe gesteht.

Das spannende an dieser Szene ist, das es Parallelen zwischen Alice und der Tochter des Patienten gibt. Beide wären bereit, sich in eine Affäre zu stürzen und dabei sogar ihre Ehe zu riskieren.

Völlig in seinem Frauenbild verwirrt, irrt Bill durch das „Village“, wo er auf die Prostituierte Domino und seinen Kommilitonen Nick Nightingale trifft.

Während des Gesprächs mit Nick, beschließt Bill dem Schauspiel (Orgie) in Somerton beizuwohnen, womit auch schon das Verhängnis beginnt. In Somerton beginnt auch der Wendepunkt der Geschichte (Peripetie).

Bill wird als Eindringling entlarvt und entgeht seiner Strafe augenscheinlich nur durch das Einschreiten einer geheimnisvollen Frau. Neben seiner Angst wird Bill bei seiner Rückkehr mit Alice Traum konfrontiert, der ihn noch stärker verunsichert.

Der nächste Tag scheint normal zu verlaufen. Bill arbeitet in seiner Praxis, Alice kümmert sich um die gemeinsame Tochter, die Atmosphäre des Films wirkt entspannt und der Zuschauer bekommt den Eindruck, als ob alles wieder in Ordnung sei (Retardation).

Als Bill jedoch versucht alle Stationen der vergangenen Nacht (Patiententochter, Domino, Nick, Rainbow Fashions, Somerton) aufzusuchen, beginnt jedoch eine verwirrende Odyssee (Beginn der Katastrophe).

Bill erfährt im Laufe des Tages bzw. der Nacht, welchen Gefahren er sich ausgesetzt hat (Somerton), wovon er verschont geblieben ist (HIV-infizierte Domino)und was für folgen sein Handeln vermeintlich für Andere gehabt hat (das tote Modell).

Vollkommen verstört, verängstigt und verzweifelt kehrt Bill nachhause zurück. Dort angekommen wird er von der auf seinem Kopfkissen liegenden Maske (die er in Somerton getragen hat) überrascht, bricht emotional zusammen und gesteht Alice seine Odyssee.

Bill und Alice sind am Ende des Films geläutert, finden aber gerade dadurch wieder zueinander.

Diesen Artikel weiterempfehlen
  • Twitter Logo
  • Facebook Logo
  • Google+ Logo
Diese Artikel könnten dich ebenfalls interessieren
Über den Autor

Marco

Gründer von insidemovie, Student der Germanistik und Filmfreak. Marco hat sehr früh den Weg zum Film gefunden. Schon als kleines Kind faszinierten ihn die verschiedenen Arten des Films und deren Machwerk. Nach dem Abitur im Jahre 2003 besucht er die Universität Paderborn mit den Schwerpunkten germanistische Literaturwissenschaft und Geschichte.

Marco hat bereits 136 Beiträge für insidemovie.de verfasst.

Kommentare
Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de Blog Top Liste - by TopBlogs.de blogoscoop Bloggeramt.de
filminterpretationen, filmanalysen, filme interpretieren, filmwissenschaft, reviews, charakterisierungen, vorschau, tv, filmbesprechungen, filme analysieren, filme interpretation, filme interpretieren, filme analysieren