Eyes Wide Shut: Analyse der Anfangssequenz

verfasst von | am 05.04.2010 um 16:02 Uhr | abgelegt in: Interpretationen
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Allein in der Anfangssequenz von Eyes Wide Shut finden sich sooo unendlich viele Details, die auf den Film, seine Intention und seine Wirkkraft schließen lassen:

Noch während des Vorspanns, nach den Credits und vor dem Titel, bietet Kubrics Spätwerk für wenige Sekunden einen Blick auf Alice, welche sich im Schlafzimmer mit lasziver Lässigkeit ihr dunkles Kleid abstreift, es zu Boden rutschen läßt. In einer statischen Halbtotalen steht sie, uns den Rücken zugewandt, nackt im hauptsächlich von einer Schirmlampe aus dem Hintergrund erleuchteten Zimmer.

Demzufolge bleibt sie trotz ihrer „Enthüllung“ anonym, was diese einem Motto vergleichbar dem Film vorangestellte, keiner Figurenperspektive zurechenbare Einstellung zum vieldeutigen Sinnbild macht, das den Zuschauer gleich zu Beginn in die Rolle des Voyeurs drängt, ihm Einblicke in intimste Bereiche in Aussicht stellt. Die erotische Komponente dieses Bildes, das den entpersonifizierten, nackten weiblichen Körper ins Zentrum rückt, präsentiert die Frau als

Sexualobjekt, das Begehren auslöst, und definiert den Blick der Kamera und damit die Perspektive des Films als eine spezifisch männliche Sicht. Beim wiederholten Sehen des Films oder in der Erinnerung läßt sich dieser Akt der Entkleidung, an dessen Ende Alice nackt in Stöckelschuhen steht, zum späteren kollektiven Fallenlassen des Umhangs im Kreis der maskierten Frauen während der einführenden Zeremonie auf Somerton in Bezug setzen (und daß mit auch zur Mysterious Woman). Nicht zuletzt führt uns dieses Bild auch an die Person von Alice heran, die uns hier anfänglich auf verführerische Nacktheit reduziert gegenübertritt, deren Innenleben sich uns gemeinsam mit Bill erst im weiteren Verlauf offenbaren wird, bis wir uns am Ende, um entscheidende Einsichten in ihr Wesen, ihr Geheimnis, bereichert, mit einer Großaufnahme ihres Gesichts von ihr verabschieden können.

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Über den Autor

Marco

Gründer von insidemovie, Student der Germanistik und Filmfreak. Marco hat sehr früh den Weg zum Film gefunden. Schon als kleines Kind faszinierten ihn die verschiedenen Arten des Films und deren Machwerk. Nach dem Abitur im Jahre 2003 besucht er die Universität Paderborn mit den Schwerpunkten germanistische Literaturwissenschaft und Geschichte.

Marco hat bereits 136 Beiträge für insidemovie.de verfasst.

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