The Shining (1980): Jack Torrance

verfasst von | am 18.05.2010 um 19:16 Uhr | abgelegt in: Charakterisierungen
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Das Overlook-Hotel, welches hoch in den Bergen von Colorado liegt, bleibt den Winter über fünf Monate geschlossen. Jack Torrance (Jack Nicholson), ein ehemaliger Lehrer und Trinker, soll in dieser Zeit nach dem Rechten sehen und darauf achten, dass die Leitungen der Heizungen nicht einfrieren. Seine Familie, bestehend aus Frau Wendy (Shelley Duvall) und Sohn Danny (Danny Lloyd), begleitet ihn.

Zu Beginn des Film sehen wir, dass der Manager des Overlook, Stuart Ullman (Barry Nelson), Jack Torrance vor der Winterperiode warnt. Ullman sagt, dass die Einsamkeit während dieser Zeit einen in den Wahnsinn treiben könne. Außerdem fügt er hinzu, dass der vorherige Hausmeister Grady wegen der Einsamkeit durchgedreht sei und seine Familie getötet habe. Jack jedoch beteuert, dass seine Familie psychisch stabil sei und Ullman sich keine Sorgen machen müsse. Dass dies jedoch nicht die ganze Wahrheit ist, erfahren wir schon einige Szenen später. Während sich die Familie auf der Anreise zum Hotel befindet, führt Wendy mit Danny ein Gespräch über Kannibalen. Als Danny einwirft, dass er bereits im Fernsehen eine Dokumentation über Kannibalen gesehen habe, entgegnet Jack nur spöttisch, dass Danny ja eh schon alles im Fernsehen gesehen habe und Wendys Ausführungen daher überflüssig seien. Diese Szene verdeutlicht uns, dass Jack Torrance nicht alles so fest im Griff hat, wie er es gerne hätte. Er reagiert schnell gereizt und auch über seine Rolle als Vater können wir aus dieser Szene einige Indizien schließen: Jack kann seinem Sohn nicht viel beibringen, da er schon fast alles zu wissen scheint. Die Vorbildfunktion für seinen Sohn hat er verfehlt. Außerdem scheint Jack ein verschobenes Bild seiner Familie zu haben. Denn seine Frau Wendy ist, wie wir im späteren Verlauf merken werden, leicht labil und auch sein Sohn Danny leidet unter Erscheinungen (dem Shining), welche für Außenstehende wie paranoider Verfolgungswahn erscheinen müssen. Immerhin berichtet Danny häufiger von einem imaginären Freund namens Tony.

The Shining Szenenbild

Die fünfmonatige Auszeit im Hotel möchte Jack damit verbringen ein Buch zu schreiben. Und auch die Familie soll wieder etwas näher zusammenwachsen, nachdem Jack seinen Posten als Lehrer verloren hat. Das Buch, welches Jack schreiben möchte, soll der Familie finanziell wieder auf die Beine helfen. Doch er scheint Probleme mit der Erstellung des Skriptes zu haben: In der Szene, wo Wendy mit dem Servierwagen in das Schlafzimmer geht und Jack zu einem Spaziergang zu überreden versucht, antwortet er, dass er endlich mit dem Schreiben anfangen müsse. Anstatt sich an die Schreibmaschine zu setzen, wirft Jack immer wieder einen kleinen Ball an die Wand. Bisher scheint ihm noch keine Idee für ein gutes Buch gekommen zu sein. Erst einige Szenen später, als Danny mit seinem Dreirad in die Lounge fährt, sehen wir Jack bei der Arbeit. Als Wendy sich nähert, um ihm einen flüchtigen Kuss zu geben, fährt Jack erneut aus der Haut, reisst das Blatt aus der Schreibmaschine und verbietet ihr, ihn zukünftig erneut bei der Arbeit zu stören. Innerhalb von kürzester Zeit erleben wir, dass Jack sehr schnell zornig wird. Der abrupte Ausraster Jacks verdeutlicht uns, dass er, obwohl er endlich begonnen hat zu schreiben, noch nicht sehr weit mit seiner Arbeit gekommen sein kann. Das Erscheinen von Danny und Wendy würde ihn sonst nicht so patzig werden lassen.

Schon kurz nach dieser Szene beginnt Jack Torrance sich zu verändern. Er verlässt das Hotel nicht mehr und beginnt auch seine Körperpflege zu vernachlässigen. Als Wendy mit Danny durch das Labyrinth irrt, sehen wir Jack mit irrem und starrem Blick vor seiner Schreibmaschine. Schon ein paar Szenen später wird Danny seinen Vater fragen, ob er krank sei. Jack sitz in dieser Szene abwesend vor seinem eignen Spiegelbild und wirkt in sich gekehrt. Das Hotel hat zu diesem Zeitpunkt schon längst Besitz von ihm ergriffen. Jack antwortet auf die Frage seine Sohnes, dass er nur müde sei. Danny schließt noch die Fragen an, warum Jack nicht schlafe, um sich zu erholen und ob ihm das Hotel gefalle und er sich wohlfühle. Mit leerem Blick antwortet Jack, dass er zu viel zu tun habe und ihm das Hotel so gut gefalle, dass er am liebsten für immer dort bleiben wolle. Dannys Sorge, ob Jack ihnen etwas antun könne, kontert Jack nur mit der Frage, ob Wendy ihm dies eingeredet habe.

Einige Zeit später sehen wir Wendy, die die Heizungen im Keller regelt. Sie muss die Aufgaben von Jack übernehmen, da er sich nicht mehr darum kümmert. Als sie einen Schrei hört und zu Jack eilt, erzählt dieser, dass er einen schrecklichen Traum gehabt habe. Er habe Wendy und Danny getötet, regelrecht zerstückelt. Als Danny zu den beiden stößt, will Wendy ihn wegschicken, erkennt aber dann Wunden an Danny Hals. Sofort richtet sich ihr Zorn gegen Jack. Sie macht ihn für diese Vorkommnisse verantwortlich und beschimpft Jack als Unmenschen. Dieser erhebt daraufhin seine Hand. Zu diesem Zeitpunkt ist es verständlich, dass Wendy Jack al Täter sieht. Ausser der kleinen Familie befindet sich keine andere Person im Hotel und sie selbst hat Danny nicht geschlagen. Daher kann sich ihr Job nur gegen Jack richten. Auffällig ist jedoch, dass Jack direkt die Hand erhebt. Wir können daraus schließen, dass es nicht das erste Mal ist, dass er seiner Familie gegenüber handgreiflich wird. Zu schnell erhebt er die Hand nach Wendys Vorwürfen.

The Shining Szenenbild

Von immer gößerem Groll gegen seine Frau getrieben, streift Jack einsam durch das Hotel. Seine Reise endet vorerst in der Bar des Hotels. Dort angelangt, sagt Jack vor sich hin, dass er alles für einen Drink geben würde. Die englische Tonspur der DVD verrät uns an dieser Stelle mehr: Jack Torrance sagt, dass er seine Seele hergeben würde, um einen Drink zu bekommen. Er vergräbt sein Gesicht zwischen seinen Händen und als er seine Hände von seinem Gesicht fahren lässt, scheint er in einer anderen Welt zu sein. Bei Barkeeper Lloyd bestellt er sofort eine Flasche Bourbon. Jack ist schon längst nicht mehr Herr der Lage. Er weiß, dass er keinen Alkohol mehr trinken darf, nimmt aber alle Risiken in Kauf und bestellt trotzdem. Schon kurz darauf bezeichnet er Wendy als „Scheißweib“ und man merkt, dass sich sein Zorn primär gegen sie richtet. Als Wendy auftaucht und ihm sagt, dass sie nun weiß, dass er die Male nicht verursacht habe, sondern eine fremde Frau, die im Hotel wohne, fertigt Jack sie spöttisch mit der Vermutung ab, dass Wendy selbst die Male verursacht habe. Dennoch folgt Jack der Vermutung von Wendy und sucht Zimmer 237 auf. In der Badewanne sieht Jack eine junge Frau liegen. Sie erhebt sich und als Jack sie umarmt und in den Spiegel blickt merkt er, dass er eine Tote in seinen Händen hält. Dennoch sagt er bei seiner Rückkhe rzu Wendy, dass er keine merkwürdigen Vorkomnissde zu melden habe. Erneut richtet sich sein Zorn gegen Wendy: Sie würde ihm erneut eine Chance verbauen, diesmal könne sie ihn jedoch am Arsch lecken.

Auf seinem Weg durch das Hotel verwüstet Jack die Küche und randalliert, bis er schliesslich Stimmen hört. Die Gänge sind mit Ballons versehen, Jack fühlt sich wie von Geisterhand in den großen Salon gezogen. Dort tobt ein ausgelassenes Fest. Und erneut bestellt sich Jack an der Bar einen Bourbon. Als er den Drink bezahlen möchte, sagt Lloyd ihm, dass dies nicht nötig sei. Jacks Geld, so Lloyd, sei in dieser Welt nicht von Wert. Dass Jack den Drink nicht zahlen muss, sein ein Befehl von oben. Wir erinnern uns an dieser Stelle an die oben bereits beschriebene erste Begegnung mit Lloyd. Jack wollte seine Seele für einen Drink geben. Und Lloyd bzw. der Befeglsgebende von oben hat die Seele bereits eingefordert.

Als dieses Werk getan ist, komm Delbert Grady ins Spiel. Er erscheint Jack in der Parallelwelt als Kellner. Jack erkennt ihn als Hausmeister wieder. Grady jedoch antwortet, dass Jack der Hausmeister sei, dass er es immer gewesen sei. Außerdem ermahnt Grady Jack, sich seiner Verantwortung bewusst zu sein und treibt Jack damit endgültig zum versuchten Mord an seiner Familie.

Wir lernen Jack Torrance in mehreren Rollen kennen. So erfahren wir von Jack dem Trinker und ehemaligen Lehrer, von Jack dem Schriftsteller und dem Künstler sowie Visionär. Anstatt an einem Roman zu arbeiten, inszeniert er sich als Schriftsteller und dabei kann ihm die Bühne nicht groß genug sein. So wählt er als Arbeitsort nicht etwas ein simples Büro, sondern die große Halle des Overlook. Jack Torrance scheint immer wieder zu merken, dass er alle Anforderungen, die er auch an sich selber stellt, nicht erfüllen kann. Gerade deshalb reagiert er auch mehrfach gereizt auf seine Familie. Als er Wendy in der Halle anfährt, wird er weniger deswegen zornig sein, weil Wendy ihn stört, sondern wegen seiner Angst, dass seine Frau und sein Sohn die Leere in ihm entdecken könnten.

The Shining Szenenbild

Shining ist nicht nur eine Horrorgeschichte. Shining ist die Geschichte vom Zerfall eines Menschen, die Geschichte vom Zerfall des Jack Torrance. Stanley Kubrick inszenierte den Hauptcharakter seines Films von Szene zu Szene düsterer. So ist zu bemerken, dass sich die Farben von Jacks Kleidung immer mehr verdunkeln, je mehr das Hotel von ihm Besitz ergreift.

Jack wird immer dann besonders von Aggressionen getrieben, wenn er von Wendy dazu aufgefordert wird, das Hotel aus irgendeinem Grund zu verlassen. Als er es letztendlich verlässt, bedeutet dies gleichsam seinen Tod.

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Über den Autor

Marco

Gründer von insidemovie, Student der Germanistik und Filmfreak. Marco hat sehr früh den Weg zum Film gefunden. Schon als kleines Kind faszinierten ihn die verschiedenen Arten des Films und deren Machwerk. Nach dem Abitur im Jahre 2003 besucht er die Universität Paderborn mit den Schwerpunkten germanistische Literaturwissenschaft und Geschichte.

Marco hat bereits 136 Beiträge für insidemovie.de verfasst.

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